Dänemark, EFD / EVS, InsellebenAugust 19, 2009 12:18 pm

Ich könnte jetzt sagen: "Bald geht es wieder nach Hause.", aber diese Aussage wäre nicht ganz richtig.

Denn es geht wieder in mein deutsches Zuhause. Strynø, mein Dänemark, liegt in drei Tagen hinter mir. Ich werde es unglaublich vermissen und mich sicher schon auf der Fährfahrt nach Rudkøbing zurückwünschen, und doch: The show must go on. 

Es wird weitergehen mit deutscher Großstadt und Studium, und Forest wird hier auf der Insel die Stellung halten.

Eigentlich würde ich gerne mein Jahr hier rekapitulieren, doch es wurde bestimmt viel zu pathetisch und melodramatisch werden, deswegen gibt es nun nur ein letztes Bild

 

 

und ein

 

Farvel og tak!

Schafe, Dänemark, InsellebenJuly 12, 2009 12:10 pm

Es ist unverwunderlicherweise wieder still hier geworden.

Ich bin nun schon elf Monate und zwei Wochen hier - in sechs Wochen muss ich Strynø den Rücken zukehren. Mittlerweile bin ich mit der Sprachschule fertig, was bedeutet, dass ich eigentlich gar nicht mehr von der Insel runterkomme und fast jeden Tag arbeite. Schlimm genug, denn das lässt die Zeit noch etwas schneller voranschreiten.

Wenn ich also nicht gerade in Wehmut schwelge, Kühe umherfahre und Schafen Wasser gebe oder Gästen hinterherräume und Milchkaffee verkaufe, dann ist es zumindest manchmal so warm, dass man mit Wassermelone und Badezeug raus aufs Wasser fahren kann, um sich ein bisschen dänischen Sommer zu gönnen.

   

 

 

 

Und jetzt - für alle Interessierten zum Mitschreiben und Videorekorder programmieren:

Am Sonntag, den 2. August um 20:15 Uhr auf dem NDR kommt eine Reportage über Strynø und weitere Inseln der Region - meine Hood also.

Eine Programmvorschau gibt es hier.

DänemarkJune 7, 2009 3:31 pm

Was toll ist: Dass ich aufgrund meines dänischen Wohnsitzes hier auf meiner kleinen Insel an der Europawahl teilnehmen kann - 10 Minuten Laufweg zur Schule, geöffnete Wahllokale von 9:00 - 20:00 Uhr.

Was nicht so toll ist: Dass mir erst vor Kurzem aufgegangen ist, dass ich ja dann die dänischen Parteien wählen muss. Aber dank dem lieben Internet und der Tatsache, dass hier nur halbsoviele antreten, war das nicht so schlimm.

Worüber ich auch nur noch so halb lachen kann: Dass ich für’s Wählen einen Lutscher bekomme - ja, ich seh immer noch minderjährig aus, ich hab den Witz verstanden!

(Aber er hat gut geschmeckt … mit Disneymotiv, ist das nicht großartig?)

DänemarkJune 5, 2009 5:19 pm
Dänemark, InsellebenMay 10, 2009 9:51 am

Es wird Sommer hier. Das erkennt man daran, dass es jetzt zwar warm wird (tagsüber gerne mal um die zwanzig Grad), man davon aber nichts mitbekommt, weil zu den Sommermonaten der Wind auffrischt und es dadurch irgendwie kälter ist, als im Frühling. Ich liebe Dänemark!

Ende April kochten Tamina und ich für das "Fællesspisning" (= gemeinsames Essen). Jene Veranstaltung in der Turnhalle der Schule, bei dem sich ein paar Leute freiwillig zum Kochen bereit erklären und sich der Rest der Insel anmelden kann und dann einen kleinen Preis bezahlt, um am Essen teilzunehmen. Wir entschieden uns die Dänen etwas zu verwirren und machten ene Grießklößchensupp zur Vorspeise und Buchteln mit heißer Vanillesoße als Hauptspeise. Unsere 76 Gäste (!) waren etwas verwirrt, ob der Tatsache, dass man auch etwas Süßes als Hautspeise essen kann. Da wir aber den ganzen Tag lang in der Küche standen und wie bekloppt Gemüsebrühe gerührt und Hefeteigbällchen geformt und mit Marmelade gefüllt haben (ca. 200) und unsere Finger dementsprechend mit Teig und Butter überzogen waren, habe ich hiervon leider keine Fotos. Es war dennoch alles in allem ein voller Erfolg, es scheint zumindest geschmeckt zu haben.

Seither waren wir oft mit Yrsa, der Kuhfähre, unterwegs. Sonntags ungefähr sechs Stunden bei Rückenwind von Strynø nach Illumø, dann Montags 80 junge Stiere von Bøjden am Festland auf die mit Yrsa 20 min entfernte Insel Illum bringen, Dienstags zurück und auf dem Rückwind weitere 30 Kühe aufsammeln und auf eine weitere Insel bringen, ehe wir wieder den Heimathafen anlaufen sollten.

 

Hier esse ich gerade eine 30 Jahre altes Würstchen aus einer Grönland-Sturmration, die bis ca. 2456 haltbar sein soll.

Die Monstertour mit 80 Kühen klappte glücklicherweise gut, wir mussten dafür mehrere Male hin und her fahren, weil wir jeweils nur 15 Stück Vieh geladen haben. Die Tour am nächsten Tag, war weitaus abenteuerlicher. Weil wir faul waren und nicht zweimal fahren wollten, luden wir alle 30 einjährigen Kälber auf und hofften auf Hochwasser, denn mit diesen 4/5 Tonnen lagen wir ganz schön tief im Wasser.

Unterwegs fiel uns leider einer der beiden Motoren aus, weshalb Flemming unter Deck war, während Tamina steuerte und ich vorne an Yrsas Klappe stand und ein paar neugierige Stiere daran hinderte über Bord zu springen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass mir die Stiere die Hand ablecken dürfen, wenn sie artig sind.

An der Zielinsel angekommen war leider ganz und gar kein Hochwasser und wir kamen nicht weiter als bis 25 Meter vor Küstenbeginn. Aber irgendwie mussten wir diese Tiere ja von Bord bekommen. Wir hüpften dann in Wathosen ins Wasser, öffneten die Klappe und hoffeten, dass die Kühe es begreifen und den kürzesten Weg zum Land laufen (durch ca. brusttiefes Wasser). Eine erste mutige hüpfte dann allen voran und hastete schnell auf den Strand. Die anderen, waren leider nicht so schlau. Zwei sind unter unseren Seilen weggepaddelt und liefen dann um Yrsa rum, währed in Zeitlupe hinterherrannte und hoffte, dass das bereits seitlich wegtreibende Schiff mit nicht auf den Kopf fällt. Nach diesen Anfangsschwierigkeiten plaschten aber auch die restlichen Kühe ins Wasser und gingen an Land. Wir mussten uns nur beeilen auf user wegtreibendes Schiff aufzuspringen, was ja plötzlich viel leichter geworden war!

  

Letzten Montag waren wir beim Inselyoga. Einer unserer neuen Inselbewohner ist Yogalehrer und hat kostenlose Probestunden angeboten, um zu sehen, ob Interesse für einen Kurs besteht. Es war zwar eine dieser etwas esotherischen Yoga-Arten, hat mir aber dennoch Spaß gemacht. Und es war einfach toll zu sehen, wie die netten Nachbarn einen Kopfstand machen.

Der Inselaktivitäten immer noch nicht müde haben wir Freitag bei einer Strandaufräumaktion mit angeschlossenem Flohmarkt teilgenommen. Die Schule veranstaltet das jedes Jahr, um Geld für die Klassenfahrt zu sammeln.

Erst gehen einzelne Gruppe verschiedene Abschnitte des Strandes entlang und sammeln Müll auf. Dann trifft man sich wiederin der Schule, es gibt sebstgemachte Brote und Kuchen und danach findet in der Turnhalle ein Flohmarkt statt, für den man vorher etwas spenden konnte. Eine super Aktion, auch wenn ich außer einem Thunfischsandwich nichts kaufen konnte.

Und nun - Preview auf meine nächste Woche. Es kommt ein Kamerateam und wir drehen tatsächlich einen sechsminütigen Werbefilm für das Smakkecenter! Der wird sicherlich nur dreimal nachts um zwölf ausgestrahlt, aber wir bekommen ihn auf DVD, also ist alles halb so schimm.

Dänemark, EFD / EVSMarch 14, 2009 10:03 am

Bei all dem Trubel um die Schafe habe ich ganz unsere Tour nach Stengade vergessen.

Meine Kollegin Rikke ist ausgebildeter naturvejleder (Naturwegsleiter? Naturführer? Ihr wisst, was ich meine.) und bietet in Zusammenarbeit mit einer Organisation geführte Touren in der ganzen Region für Krebspatienten an.

Da sie aber letzte Woche in Urlaub war, hat sie mich gefragt, ob ich nicht eine der Touren übernehmen kann. Obwohl erst kurzzeitiges Unbehagen (Ich soll fremde Personen durch ein mir unbekanntes Gebiet führen und ihnen auf einer fremden Sprache etwas über die Natur und Geschichte dieser Orte erzählen?), hab ich zugestimmt. Die Strecke bin ich mit Rikke zuvor abgegangen.

Und so habe ich letzten Dienstag eine kleine Naturführung gehalten. Weil direkt vor der verabredeten Zeit so schlechtes Wetter war, kamen leider nur zwei Personen. Dafür waren das wirklich sehr nette, herzliche ältere Damen, die eine Menge erzählen konnten (und das nicht über ihre Krankheit!). Als wir dann losgingen brach auch die Sonne hervor und wir hatten einen richtig schönen Spaziergang am Strand und im Wald inklusive Kaffeepause und Gesangseinlage von "Der er et yndigt land". Das ist das dänische Nationallied und wurde angeblich unter einer großen Buche gedichtet, die wir uns auch auf der Tour angeschaut haben.

 

  

 

 

 

 

DänemarkFebruary 25, 2009 8:41 pm

Mein letzter Eintrag liegt nun schon etwas zurück - recht viel passiert ist seither nicht.

Es wintert immernoch gewaltig, mit Schnee und Frost und Küstennebel (also tatsächlichem, nicht etwa diesem hier).

Erwähnenswert ist, dass ich seither meine Seetüchtigkeit offiziell bestätigt bekommen habe, zumindest was körperliche Mindestvoraussetzungen angeht. Meine Lieblingsfrage bei der Untersuchung: "Bitte öffnen Sie mal Ihren Mund, ich muss kontrollieren, ob Sie Zähne haben." Zudem haben wir mit echtem 80% Strohrum im Rahmen meines Experiments "Feuerzangenbowle" fast das Haus meines Kollegen auf unserer verspäteten Weihnachtsfeier abgebrannt. Letztes Wochenende packten Tamina, Oliver - ehemaliger Volunteer auf Nostalgiebesuch/Semesterferien - und ich ein paar Sachen zusammen und fuhren ins "ferne" Jylland auf eine Ferienmesse, um das Smakkecenter zu repräsentieren. Neben all den professionellen Ausstellern sind wir mit unserer Graugans und unserem Papp-Maché-Fischer namens Karl-Heinz zwar untergegangen, es war dennoch lustig und eine nette Herausforderung wildfremden Menschen auf einer fast fremden Sprache zu erklären, was das Smakkecenter eigentlich macht (hab ich das hier eigentlich jemals genauer ausgeführt?). Besonders, weil ein Großteil der Messegäste aus der Region kam. Hier muss man erwähnen, dass wir fynischen Dialekt sprechen und nichts anderes gewohnt sind. Es ist, als würde einer aus dem tiefsten Sachsen mit einem Urbayer reden - fast unmöglich. Ich wurde zwischendrin auch mehrmals gefragt, ob ich aus Norwegen komme. Fotos von diversen Ereignissen gibt es alle bei Tamina.

Heute habe ich auch meinen zweiten Modultest bestanden, der leider wieder ein Witz war. Ich könnte bis zu meiner Abreise realistisch gesehen den vierten Test ablegen. Der fünfte Test ist Pflicht für die Einbürgerung in Dänemark, der sechste ist die große studie prøve, die Zulassung für Ausländer in DK auf dänisch zu studieren.

Zuletzt möchte ich noch auf die neue Strynø-Website hinweisen. Sie ist ganz frisch, immernoch im Aufbau aber bisher schon mit unglaublich schönen Bildern ausgestattet. Vielleicht gibt es sie ja auch bald auf deutsch.

Dänemark, EFD / EVSJanuary 19, 2009 9:41 pm

Auf dem letzten EFD-Seminar wurden uns Teilnehmern viele Fragen gestellt. Eine der Betreuerinnen hat in ihren jüngeren Jahren einen Voluntary Service in Mexico absolviert und erzählt, dass sie immer besonders von den Kakerlaken im Badezimmer genervt war. Eigentlich eine Kleinigkeit, jedoch etwas, was man nicht wirklich ignorieren kann und was einen folglich nervt. Dann fragte sie nach unseren persönlichen, dänischen Kakerlaken. Hier ein Auszug unserer Sammlung. (Den fett gedruckten kann ich vollstens zustimmen.)

 

 

 

  • grey weather [Ich kann es nicht leugnen, der Winter ist einfach grau. Aber ist er das nicht fast überall?]
  • bad ins saying what good in [Das finde ich jetzt nicht besonders ärgerlich, jedoch gibt es hier eine Art Kodex, das "jantelov", das besagt, dass man sich nie besser darstellen soll, als andere. Mehr zum jantelov gibt es hier.]
  • margarine is salty [Stimmt. Aber es gibt durchaus ungesalzene Butter und Margarine zu kaufen. Jedoch ist gesalzene populärer und ein Brötchen mit salziger Butter und Schokolade schmeckt einfach viel besser!]
  • coffee [Dänemark ist die Kaffeenation. Kaffee gibt es immer und überall und oft kostenlos. Leider ist es meistens schrecklich dünner Filterkaffee, weswegen ich, in deren Koffeinkreislauf schon mal Blut zirkuliert sein soll, hier zur Kräuterteetrinkerin mutiert bin. Heiliger Lavazza, wo bist du nur?]
  • lakrids [Auch wahr. Es gibt unglaublich viele Sorten Lakritz, die meisten Kaugummis schmecken danach und es gibt Eis mit Lakritzgeschmack. Ich finde es ja sehr lecker und habe besonders Gefallen am harten, salzigen, finnischen und besonders abartigen Salmiak-Lakritz gefunden. Übrigens sind die Haribo in Dänemark nicht aus Deutschland importiert. Sie werden hier hergestellt und sind allesamt viel viel härter als dt. Haribo.]
  • get on bus in back
  • wet air / fog
  • expensive [25% Mehrwertsteuer. Einmal auf dem Parkplatz die Parkscheibe nicht ausgelegt: 75 Euro. Ein Marken-Shampoo Kategorie Schauma/Nivea: 8 Euro. Muss ich mehr sagen?]
  • dinner at 18 h is stress [Das hat die charmante Italienerin aus meiner Gruppe gesagt. Und sie hat Recht. Es ist für mich wirklich etwas gewöhnungsbedürftig. Nach dem Aufstehen gibt es selbstredend "morgenmad", gegen 12 Uhr mittags "frokost", was meistens aus Wurschtebrot besteht. Nachmittags gibt es eine Tasse Kaffe. Und nie nie nie später als 18 Uhr gibt es "aftensmad", eine warme Mahlzeit. Im Winter richtet es sich hier auch oft danach, wann es dunkel wird, so dass wir auch gerne mal gegen 16:30 Uhr zu Abend essen. Wer übrigens einem dänischen Haus gegen 20 Uhr noch einen Besuch abstattet, der bekommt Kaffee und Kuchen serviert.]
  • shake hands w/ everyone [Wenn sich viele Menschen zu einem Fest, wie etwa einer Geburtstagsfeier treffen, begrüßt man immer zuerst den Gastgeber und dann wird jedem bereits eingetroffenen Gast die Hand gegeben bevor man sich auf seinen Platz setzt. Das kann bei größeren Feiern ziemlich ausarten, weshalb jeder möglichst früh kommen will, um nicht durch den ganzen Raum laufen zu müssen, sondern bequem vom Tisch aus Hände schütteln darf.]
  • discussions all the time [Das fällt einem wirklich nur mit der Zeit auf und es kann manchmal wirklich lästig werden. Egal bei welcher Sache, es muss alles ins Detail geklärt und alle Eventualitäten durchgesprochen werden, auch wenn der Sachverhalt allen betreffenden Personen klar ist. Ich schätze das hängt damit zusammen, dass die Entscheidungskultur in Dänemark eine etwas andere ist. Jeder soll in alles mit einbezogen werden, keiner soll ungefragt bleiben, jede Meinung zählt. Aber manchmal ist jede Meinung einfach nur wiederholend, irrelevant und somit überflüssig.]
  • økologisk mania [Auf fast jedem Lebensmittel ist irgendein Öko-Siegel. Für Dänen, besonders für junge dänische Familien, ist es wichtig, dass alles möglichst ökologisch und somit ihrer Meinung nach gesünder und wertvoller ist. Da würden auch Äpfel aus Kenia gekauft, solange sie als økologisk gekennzeichnet sind, ist alles gut.]
  • "yes" while breathing [Ja sagen während des Einatmens. Hab ich noch nie verstanden.]
  • not friendly, no greeting [Trifft bestimmt nicht auf mein Inselchen zu, generell ist der gemeine Däne eher mit gerümpfter Nase und nach unten gezogenen Mundwinkeln unterwegs. Um mal ein paar Stereotype zu unterstreichen.]
  • no sharing [Konnte ich noch nicht so ganz am eigenen Leib erleben, da ich hier keinen wirklichen Freundeskreis mit Gleichaltrigen habe. Jedoch ist es wohl üblich, dass jeder zu Partys das mitbringt, was er zu konsumieren gedenkt. Es wird nicht geteilt und am Ende nimmt man seine Reste auch wieder mit nach Hause. Das liegt vielleicht an den horrenden Alkoholpreisen.]
  • brush for dishes [In Ungarn kennt man Spülbürsten wohl nicht?]
  • think to know the best
  • pretend to be open-minded etc. [Dänemark oder überhaupt Skandinavien gilt ja als besonders liberal und offen. Aber - Überraschung - wie zu erwarten trügt der Schein zuweilen. Manchmal glaube ich, Dänemark war vielleicht besonders früh aufgeklärt und hat besonders liberale Werte erlangt, doch um diese zu schützen, wird es immer verschlossener.]
  • no bidet [Fand die besagte Italienerin empörend! Ist aber für mich keine Überraschung, die Bidet-Kultur in Deutschland ist nicht besonders ausgeprägt und ich wusste bis vor nicht allzulanger Zeit nicht einmal genau, wie und wofür so ein Bidet überhaupt benutzt wird.]
  • shops closing early [Es ist wahr. Der Einzehandel schließt bis ungefähr 17:30 Uhr, Supermärkte oft bis 18:30 Uhr. Wenige große Märkte haben bis 20 Uhr geöffnet. Auch ein Teil dänischer Lebenphilosophie, nach der jeder gleichermaßen Zeit für sich und seine Familie haben soll und nicht bis 22:30 Uhr in der Gemüseabteilung Bananen stapeln muss.]
  • slow bureaucracy [Bürokratie kann nie schnell sein, und wo es viel Ordnung und Organisation gibt, gibt es auch viel Bürokratie. Und in Ländern wo es nicht viel Organisation gibt, gibt es noch mehr Bürokratie, die wegen fehlender Ordnung noch viel langsamer ist als hier. Also sind drei Monate Wartezeit auf eine Aufenthaltsgenehmigung kein Grund zur Beschwerde.]
  • naked in changing room [Bezieht sich auf die Umkleide im Schwimmbad. In Deutschland ist es ja nicht unüblich, dass man mal nackt in der Schwimmbaddusche steht, bevor man sich wieder anzieht. Aber natürlich kann man sich auch in Badekleidung duschen und dann in eine Einzelumkleide verschwinden. Nicht so in Dänemark. Da muss man sich vor dem Schwimmen in öffentlichen Einrichtungen jeglicher Kleidung entledigen und sich dann unter der Dusche mit einem speziellen schäumenden Schwamm jede erdenkliche Körperritze waschen, ehe man ins Wasser darf. (Kontrolliert das eigentlich jemand?) Unter der Dusche scheint generelles Badekleidungsverbot zu sein. Da ich mich bisher vor dem Schwimmen gedrückt habe, kann ich nur von den Erzählungen anderer berichten. Allerdings ist das für mich nur ein Grund mehr, mich von Schwimmbädern fernzuhalten. Die seltsame Waschprozedur sollte damit zusammenhängen, dass das Schwimmbadwasser nicht gechlort, sondern gesalzen ist und dass man deswegen noch mehr vermeiden möchte, dass es jemand vollschmutzt.]
  • prejucides against Germans
  • intolerant/racism/selfish/materialism/not helpful/angry [Da konnte jemand wohl die Dänen nicht leiden oder ist generell ein Misanthrop.]
  • sea no smell [Traurig aber wahr: Die Ostsee riecht nicht besonders nach Meer. Auch bleiben außer ein bisschen Wellenrauschen die meisten Meeresgeräusche von der Insel fern. Aber mal ehrlich, Möwengeschrei ist super, aber Möwen an sich: nicht so super.]
  • talk english [Als Ausländer wird man ja recht schnell erkannt, wenn man seine ersten dänischen Worte in der Öffentlichkeit preis gibt. Leider passiert es zu oft, dass einem dann auf Englisch geantwortet wird. Es ist ja schön, dass hier fast alle so sprachgewandt sind, aber wir wollen doch Dänisch lernen! Übrigens wurde mir letztens gesagt, ich würde ziemlich akzentfrei sprechen. Womöglich ist das der Grund, weshalb ich in Geschäften manchmal angestarrt werde, wenn mir Worte fehlen oder ich mal wieder einen schlimmen Grammatikfehler raushaue. Ich werde nicht für deutsch gehalten, sondern für etwas beschränkt. Sind deswegen alle so nett zu mir?]
  • jogging when cold [November, kurze Hosen? Kein Problem!]
  • drinking [Es ist nicht gelogen, Dänemark ein Alkoholproblem zuzuschreiben. Es wird trotz der hohen Preise ausgesprochen viel getrunken. Volunteers, die in Café-Einrichtungen arbeiten, berichten davon, dass es im Grunde keinen Weg gibt, sich in eine Gruppe junger Leute zu integrieren, wenn man nicht ordentlich mittrinkt.]
  • doctors closed [Wartezeit für einen Kontrolltermin beim Augenarzt: 1 Jahr.]
  • bad organised
  • long queue [Dafür mit dem super Nummern-System vom Arbeitsamt.]
  • skåling [Musste ich noch nachträglich hinzufügen. Man trifft sich hier gerne um alles mögliche zu feiern, natürlich nicht ohne Alkohol. Eine sehr irritierende Sache ist dabei, dass mindestens alle fünf Minuten jemand das Glas hebt und voller Inbrunst "Skål!" durch den Raum brüllt. Es folgt weiteres inbrünstiges Zuprosten bis alle ihr Glas erhoben haben. Überhaupt geht es auf Festen merkwürdig laut zu, Geburtstagsständchen werden üblicherweise geschrieen.]
  • tak for … [Tak (Danke), mange tak (Vielen Dank), tusind tak (Tausend Dank), tak skal du have (Danke), tak for mad (Danke für das Essen), tak for hjælpen (Danke für die Hilfe), tak for sidst (Danke für letztens), tak for idag (Danke für Heute), tak for indbydelsen (sagt der Gastgeber beim Begrüßen der Gäste: Danke, dass du gekommen bist), tak for kaffeen (Danke für den Kaffee) - Ich kann nicht glauben, dass die Briten die höflichste Nation sein sollen. Die Dänen haben aber sicher die meisten Dankes-Floskeln.]
Dänemark, EFD / EVS, InsellebenJanuary 11, 2009 9:45 pm

Wer sich fragt, was ich eigentlich die ganze Zeit gemacht habe: Ich habe über Weihnachten die dänisierte Version meinerselbst zurückgelassen und bin für ein paar Wochen nach Hause gefahren! Eine Woche vor Heiligabend habe ich mich in den Zug gesetzt (leider nicht in den richtigen) und bin Richtung hessische Heimat gefahren. Nachdem ich dann die Feiertage und auch Silvester erfolgreich absolviert habe - ein gebratener Truthahn und eine 80er Packung Böller, was will man mehr? - war ich dann noch ein paar Tage bei meinem Liebsten in Brandenburg. Kuschelige -20 °C, Schlittschuhfahren auf einem See und Rodeln durch die Wälder haben meinen darauf folgenden Aufenthalt in Kopenhagen wie einen Sommerurlaub wirken lassen. Dort war ich nämlich zuletzt auf einem der verpflichtenden EVS-Seminare. Wie üblich wird man dort früh morgens aus dem Bett geworfen, trinkt dann den ganzen Tag Kaffee und redet über seinen Auslandsaufenthalt und macht Ringelpietz-mit-Anfassen-Energizer-Spielchen. Die sind teilweise so albern, dass ich bereits jeglichen Stolz und Würde verloren habe und stets bereit bin, mich vor einer Gruppe zu blamieren, wenn nur genügend Leute mitmachen. Ein bisschen was von Kopenhagen konnte ich natürlich auch sehen und es war auch immer besonders nett mit den anderen Volunteers zu reden. Fazit dieses Seminars: Ich leide nun an akutem Schlafmangel und habe das dringende Bedürfnis noch etwas mehr in der dänischen Hauptstadt zu verbringen. Mit etwa einer Million Einwohner ist sie vermutlich eine der kleinsten Hauptstädte Europas, aber dennoch nicht klein genug um alles in den wenigen Tagen erkunden zu können.

Zurück auf der Insel gibt es erst einmal nicht viel Neues. Montag werde ich das erste Mal seit fast vier Wochen wieder arbeiten. Ich bin gespannt, wie lange man es bei etwa 2 °C in der Werkstatt aushalten kann. Ich verspreche, nicht absichtlich an einem Stahlpfosten zu lecken. Sollte ich nicht festgefroren sein, gibt es bald wieder Berichte von mir.

DänemarkDecember 16, 2008 8:18 pm

Da Tamina und ich beide über die Feiertage nach Hause reisen, haben wir hier schon etwas zeitiger Weihnachten gefeiert. Letzten Sonntag waren unsere Adventskalender noch nicht leer, aber die Weihnachtsstrümpfe hingen schon.

 

Nach dem Frühstück haben wir unser kleines Weihnachtsbäumchen geschmückt und uns der dänischen Hygge (Gemütlichkeit) hingegeben. Danach sind wir nach Tranekær gefahren, einem kleinen Örtchen auf Langeland. Dort gab es eine Art Weihnachtsmarkt in einer alten Windmühle, die immer noch zum Getreide mahlen gebraucht wird.

 

Da gab es dann sämtliche dänischen Weihnachtsleckerein und eine dieser unsäglichen, trostlosen und unbegabten Ein-Mann-Bands. Er sagte nach jedem Applaus "Vi siger tak." - Ob er mit "wir" seine gespaltenen Persönlichkeiten oder ihn und seinen Laptop meinte, weiß ich nicht. Der Markt war sehr nett und die alte Mühle war einfach der Hammer. Die Holzwände werden schon seit mehr als hundert Jahren als Notizblock missbraucht. Es finden sich Rechnungen, Erinnerungsnotizen, kleine Geschichten oder Beschwerden über den Alltag und die Arbeitszeit, aber auch Historisches wurde notiert. Danmarks besøg af tyskerne 9-4-1940. Dänemarks Besuch der Deutschen. Nach einer Runde æbleskiver (das sind kleine warme Teigbällchen mit Marmelade, Griesheimer Zwiebelmarkt-Besucher dürften das ganze unter dem Namen "Pförtchen" kennen) und heißer Schokolade habe ich mir noch ein hochseriöses Nadelkissen gekauft und wir sind wieder nach Hause gefahren.

Natürlich gab es ur-dänisches Essen. Geflügel mit Kohl, in Zucker geschwenkte Kartoffeln und so etwas Ähnliches wie Preiselbeersauce. Es ist zudem in Dänemark Tradition, dass zum Weihnachtsabend "Ris a la mande" als Dessert gegessen wird. Das ist Milchreis mit Vanille und vielen Mandeln, dazu gibt es heiße Kirschsauce. Das schöne ist: Im Reis ist eine ganze Mandel versteckt. Wer die findet, muss sie im Mund behalten, bis die ganze Schüssel aufgegessen ist. Nach der Auflösung gibt es ein kleines Geschenk. Ich dachte schon, dass ich an diesem Tag wohl meine Glückssocken angehabt haben muss, hatte ich schon nach ein par Löffeln die Mandel in meiner Backe. Dann pult Tamina auch noch eine aus, genauso wie Kjeld. Da ist beim Mandeln-Zerhacken im Mixer offensichtlich etwas schief gegangen. Nach einem blutigen und erbitterten Schere-Stein-Papier-Krieg habe ich gewonnen - ein kleines Marzipanschwein. Nach dem Essen gab es ein kurzes "slå maven". Es heißt übersetzt "Magen schlagen", steht aber dafür, dass man sich total vollgefressen hinsetzt und versucht sich nicht zu bewegen, bis ma theoretisch wieder Kuchen essen kann. Was auch nicht fehlen darf: um den Baum tanzen. Zu exzessiver Weihnachtsmusik sind wir um unser Tännchen gefegt, danach kam das Christkind, entschuldigung, der julemand und es wurde fröhlich beschert.

Noch mehr æbleskiver und gløgg (Glühwein mit Mandeln und Rosinen) haben wir uns gespart. Irgendwann ist nun auch mal Schluss!

Das beste dänische Weihnachtslied: Jetzt ist wieder Weihnachten, jetzt ist wieder Weihnachten, Weihnachten dauert bis Ostern. Nein das ist nicht wahr, nein, das ist nicht wahr, dazwischen kommt noch Fasching.

 Jeg ønsker jer en glædelig jul.