Liebe Prokrastination,
du hinderst mich schon seit drei Wochen hier wieder mal einen vernünftigen Eintrag zu schreiben.
Seit meinem Letzten ist einiges passiert - diverse Besuche von tollen Freunden (und zukünftigen Mitbewohnern), Schafbegräbnisse (nein, nein, NICHT Forest) und Geburten, Kayaktouren, Ostern, der Ausbruch aus der offiziell-zahlmäßigen Teenagerzeit.
Doch mal der Reihe nach.
Forest gedeiht prächtig. Sie ist ein unsäglicher Gierhals und obwohl sie mit ihrem dicken dicken Wurstwanst eigentlich stecken bleiben müsste, findet sie immernoch ein Loch im Zaun, um uns schonmal eine Stunde vorher an ihre Fütterzeit zu erinnern.
Das Bild ist schon etwas mehr als drei Wochen alt, zur Zeit dürfte sie um die zehn oder zwölf Kilo wiegen und ist für Nickerchen auf dem Schoß schon etwas zu überdimensioniert.
Der Frühling hat hier wirklich zugeschlagen und es war schon eine Ewigkeit nicht mehr regnerisch draußen. Auch die Igel finden das gut und tun sich an Äpfeln und Brot gütlich, während unser Kater durch Yoga versucht seine Bikinifigur wieder hinzubekommen.
Etwa eine Woche vor Ostern hat der Lämmerboom eingeschlagen. Gleich zwei Zwillingspaare kamen in kürzester Zeit. Hier seht ihr die dicke Speckwurst Forest direkt neben einem neugeborenen Lamm.
Und dann, kurz vor Ostern, bekam ich Besuch von ein paar treuen Freunden und Indienreisekameraden. Wir hatten viel Spaß und frische Luft und unter anderem die erste Yrsa-Tour des Jahres. Zur Erinnerung: Yrsa ist der Viehfrachter, mit dem wir ab und zu zu den verschiedenen Kleininseln schippern und Tiere oder Landwirtschaftsmaschinen transportieren.

Dieses Mal war es eine Herde Galloways. Wir warteten ewig, bis der Hänger zum Aufladen kam, dafür sind die Kühe am Ziel mit einem großen Satz von Yrsa gesprungen und promt in den ewigen Weiten von Birkholm (8 Einwohner) verschollen.
Abends gab es dann noch ein nettes Fest zu meinem Wiegentage, mit leckerem dänischen Kuchen und zwanzig (!!) von Tamina gestrickten/gefilzten Fliegenpilzen. Nein, es waren Fliegenpilze, Champignons, Steinpilze und ein Giftpilz.

Dann kam schon Ostern und somit der nächste Schwung Besuch. In diesen Tagen gab es volles Inselprogramm. Gründonnerstag eröffnete ein neues Restaurant auf Strynø und zu dieser Feierlichkeit spielten "The Strynettes" (im Rahmen ihrer Europatour). Wir genossen die Sonne, umwanderten die Insel, besuchten eine inselige Kunstausstellung und malten Ostereier. Auf Strynø und wenigen anderen dänischen Inseln ist es Tradition an Ostern am Strand ein kleines Strohfeuer zu machen, einen Kessel mit Meerwasser zu füllen und über dem Feuer bunt bemalte Eier zu kochen und zu essen. Lustigerweise gibt es hier gar nicht so viele bunte Ostereier und beim sogenannten "Æggekogning" dient es allein zu dem Zweck, dass man seine eigenen Eier wiedererkennt.

Man sitzt also im Seegras, lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen und wartet eine dreiviertel Stunde darauf, dass die Eier endlich hart sind.
Später an diesem Tage wurde noch der Maibaum niedergelegt. Es versammelt sich die halbe Insel auf dem Maibaumsplatz/Stadtmitte und während alle starken Frauen und Männer (nein, eigentlich nur die Männer aber beim Aufstellen werden Tamina und ich das Patriarchat durchbrechen und als erste Frauen den Maibaum stemmen) sich an diese gekreuzten Hebestangen machen, gibt der Rest moralischen Beistand. Am Ende gibt es noch eine Art umgedrehte Auktion - sozusagen das "myhammer" der alten Tage. Man unterbietet sich gegenseitig darum, wer den Maibaum für das wenigste Geld putzt und neu anstreicht. Mitte Mai wird er dann mit einem großen Trara wieder aufgestellt.

Und als wäre es nicht genug Spannung für einen Ostersamstag haben wir uns abends noch zum Banko (dt. Bingo) spielen gewagt. Ich kam beim schnellen Übersetzen der Zahlen für meine deutschen Freunde gehörig ins Schwitzen und gewonnen haben wir natürlich nichts. Aber fast. BANKO!
Den Ostersonntag verbrachten wir im Kajak. Ich wollte den anderen unbedingt die kleine, nur im Sommer von zwei Familien bewohnte Insel Strynø Kalv zeigen und so sind wir kurzerhand dorthin gepaddelt. Schöne Tour und guter Ausklang eines großartigen Osterwochenendes.
Letzte Woche war dann - wie sollte es auch anders sein - schaflastig. Ostermontag wollten Tamina und ich noch einmal mit dem Kajak los. Beim Füttern fiel mir dann ein Schaf auf, was abseits der Herde stand. Die Aue war mitten im Geburtsprozess, wir konnten dann aber leider nur ein totes Lamm rausziehen. Es muss wohl im Geburtskanal erstickt sein.

Tamina ist schon losgezogen um Spaten und Schaufel zu holen, da kam schon das zweite Lamm - gottseidank lebendig! Allerdings war die Mutter durch die Totgeburt verwirrt, sie kümmerte sich zwar um das lebende Lamm, ließ es aber nicht trinken. Wir beschlossen erstmal das erste Lamm zu beerdigen und unsere Kajaktour zu machen, doch selbst nach drei Stunden schien das Lamm nicht großartig getrunken zu haben. Aber es war stark, lief herum und die Mutter hatte keine Euterentzündung. Als erfahrene Lammmütter hatten wir jedoch keine Lust auf ein zweites Flaschenlamm und spielten so diesen Abend die Darwinisten. Glücklicherweise hat es sich die Mutter über Nacht anders überlegt und wir haben kein schlechtes Gewissen, dass wir ein Lamm haben eingehen lassen.
Hier ist noch das Kontrolllamm Forest, das erst einmal schauen muss, ob wir Lamm Nr. 1 auch rechtmäßig begraben haben.
Was wir eigentlich schon längst machen wollten: Schafe scheren und Ohrmarken setzen. Letzteres gestaltete sich recht einfach, wenn man davon absieht, dass auch Lämmer ganz schön stark sein können und das mit den Ohrmarken nicht so toll fanden. Ersteres ist eine reine Katastrophe - ich wünschte wir hätten uns nicht entschlossen es selbst zu machen (korrigiere: mein Chef hat das beschlossen). Bisher haben wir zweieinhalb Schafe geschoren. Das Halbe hat noch einen Bauchpelz - ob es mich deswegen so missmutig und vorwurfsvoll anschaut? Weil es weniger Arbeit ist zu schlachten, als zu scheren, werden wir unsere beiden Widder-Jährlinge zu Fleisch verarbeiten und zudem muss noch eine alte Texel-Aue von ihrem beschwerlichen Leben erlöst werden. Bleiben am Ende noch dreieinhalb Schafe. Au Backe.

Zuletzt unsere jüngste Forest-Impression. Seit wir ihr Ohrmakren verpasst haben, sieht sie etwas - achtung - belämmert aus. Und ihre neue Frisur scheint ihr auch nicht zu gefallen.
Na dann, mach es gut, liebe Prokrastination, bis nächstes Mal!