Da Tamina und ich beide über die Feiertage nach Hause reisen, haben wir hier schon etwas zeitiger Weihnachten gefeiert. Letzten Sonntag waren unsere Adventskalender noch nicht leer, aber die Weihnachtsstrümpfe hingen schon.

 

Nach dem Frühstück haben wir unser kleines Weihnachtsbäumchen geschmückt und uns der dänischen Hygge (Gemütlichkeit) hingegeben. Danach sind wir nach Tranekær gefahren, einem kleinen Örtchen auf Langeland. Dort gab es eine Art Weihnachtsmarkt in einer alten Windmühle, die immer noch zum Getreide mahlen gebraucht wird.

 

Da gab es dann sämtliche dänischen Weihnachtsleckerein und eine dieser unsäglichen, trostlosen und unbegabten Ein-Mann-Bands. Er sagte nach jedem Applaus "Vi siger tak." - Ob er mit "wir" seine gespaltenen Persönlichkeiten oder ihn und seinen Laptop meinte, weiß ich nicht. Der Markt war sehr nett und die alte Mühle war einfach der Hammer. Die Holzwände werden schon seit mehr als hundert Jahren als Notizblock missbraucht. Es finden sich Rechnungen, Erinnerungsnotizen, kleine Geschichten oder Beschwerden über den Alltag und die Arbeitszeit, aber auch Historisches wurde notiert. Danmarks besøg af tyskerne 9-4-1940. Dänemarks Besuch der Deutschen. Nach einer Runde æbleskiver (das sind kleine warme Teigbällchen mit Marmelade, Griesheimer Zwiebelmarkt-Besucher dürften das ganze unter dem Namen "Pförtchen" kennen) und heißer Schokolade habe ich mir noch ein hochseriöses Nadelkissen gekauft und wir sind wieder nach Hause gefahren.

Natürlich gab es ur-dänisches Essen. Geflügel mit Kohl, in Zucker geschwenkte Kartoffeln und so etwas Ähnliches wie Preiselbeersauce. Es ist zudem in Dänemark Tradition, dass zum Weihnachtsabend "Ris a la mande" als Dessert gegessen wird. Das ist Milchreis mit Vanille und vielen Mandeln, dazu gibt es heiße Kirschsauce. Das schöne ist: Im Reis ist eine ganze Mandel versteckt. Wer die findet, muss sie im Mund behalten, bis die ganze Schüssel aufgegessen ist. Nach der Auflösung gibt es ein kleines Geschenk. Ich dachte schon, dass ich an diesem Tag wohl meine Glückssocken angehabt haben muss, hatte ich schon nach ein par Löffeln die Mandel in meiner Backe. Dann pult Tamina auch noch eine aus, genauso wie Kjeld. Da ist beim Mandeln-Zerhacken im Mixer offensichtlich etwas schief gegangen. Nach einem blutigen und erbitterten Schere-Stein-Papier-Krieg habe ich gewonnen - ein kleines Marzipanschwein. Nach dem Essen gab es ein kurzes "slå maven". Es heißt übersetzt "Magen schlagen", steht aber dafür, dass man sich total vollgefressen hinsetzt und versucht sich nicht zu bewegen, bis ma theoretisch wieder Kuchen essen kann. Was auch nicht fehlen darf: um den Baum tanzen. Zu exzessiver Weihnachtsmusik sind wir um unser Tännchen gefegt, danach kam das Christkind, entschuldigung, der julemand und es wurde fröhlich beschert.

Noch mehr æbleskiver und gløgg (Glühwein mit Mandeln und Rosinen) haben wir uns gespart. Irgendwann ist nun auch mal Schluss!

Das beste dänische Weihnachtslied: Jetzt ist wieder Weihnachten, jetzt ist wieder Weihnachten, Weihnachten dauert bis Ostern. Nein das ist nicht wahr, nein, das ist nicht wahr, dazwischen kommt noch Fasching.

 Jeg ønsker jer en glædelig jul.